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Ein kleines Licht auf Mallorca

Es gibt Momente, in denen das Leben uns weit weg von allem Gewohnten trägt, von den Straßen der Heimat, von vertrauten Bräuchen, von jenen kleinen Ritualen, die unsere Kindheit prägen.

So erging es auch der Mutter und ihrer Tochter, die in diesen Tagen nach Mallorca reisten, gerade als zu Hause der traditionelle Laternenumzug bevorstand.

Das Mädchen hatte ihre eigene, liebevoll selbstgebastelte Laterne aus der Heimat für unser Treffen mitgebracht. Ein kleines Kunstwerk, das schon den Duft vertrauter Hände und Stimmen in sich trug. Ein Stück Zuhause, das sie hier auf der Insel festhielt wie einen Schatz.

Als die Mutter unterwegs war, entschieden wir uns, dass dieser besondere Brauch nicht verloren gehen sollte, nicht einmal fern der Heimat. Also nahm auch ich meine selbstgebastelte Laterne zur Hand und gemeinsam machten wir uns auf den Weg.

Zwei Laternen, zwei Menschen, zwei Herzen, die ein altes Licht weitertrugen.

Wir gingen rund um das Hotel, und der milde Abendhimmel Mallorcas wurde zur Kulisse für unseren eigenen kleinen Umzug. Das Mädchen hielt ihre Laterne stolz vor sich, als würde sie den Zauber ihrer Heimat über die ganze Insel tragen. Sie lachte, erzählte von den Umzügen daheim, von Liedern und Freunden, und ich sah, wie sehr dieses Ritual ihr bedeutete.

Zwischen Palmen und dem Duft des Meeres schufen wir einen Moment, der warm war wie ein vertrauter Novemberabend zu Hause. Die Laternen warfen goldene Muster auf den Boden, und wir sangen leise, wie man es früher tat, ohne Eile, ohne Publikum, nur für uns Beide.

Als ihre Mutter zurückkam, funkelten die Augen des Mädchens heller als jedes Licht. Und ich wusste: Ein kleines Ritual kann selbst in der Ferne eine Brücke bauen, zurück zur Heimat, zurück zu sich selbst.

Manchmal genügt eine Laterne, um ein Kinderherz zum Leuchten zu bringen.

Und manchmal genügt Liebe, um daraus einen unvergesslichen Abend zu weben.



ree

 
 
 

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